Bau­stel­len­all­tag bei der dilb GmbH aus Mie­sitz: Auf der Bau­stel­le wird der Fas­sa­den­putz frisch ange­bracht. Der Vor­ar­bei­ter zückt sein Han­dy, foto­gra­fiert den Arbeits­fort­schritt. Sofort erfolgt der Upload — das Foto und eine kur­ze Sprach­no­tiz lan­den bei der Geschäfts­füh­rung auf den Büro-Com­pu­tern. Die erbrach­te Leis­tung wird für die Rech­nungs­er­stel­lung über­nom­men. Inzwi­schen tele­fo­nie­ren bereits der Chef der dilb GmbH, Herr Mitt­mann, und der Auf­trag­ge­ber über die nächs­ten Arbeits­schrit­te und auf­ge­tre­te­nen Schwie­rig­kei­ten. Die Sprach­no­tiz des Vor­ar­bei­ters ergab einen drin­gen­den Klä­rungs­be­darf beim zu bestel­len­den Mate­ri­al.
Die dilb GmbH geht neue Wege. Das Unter­neh­men mit Sitz in Mie­sitz bei Trip­tis beschäf­tigt 10 Mitarbeiter*innen. Es bie­tet typi­sche Bau­hand­werks­leis­tun­gen mit Schwer­punkt auf gedämm­te Fas­sa­den in ver­schie­de­nen Arten an. Geschäftsführer*innen und Mit­ar­bei­ter haben den Anspruch Vor­rei­ter für den digi­ta­len Wan­del zu sein, gera­de in Berei­chen mit vie­len manu­el­len Tätig­kei­ten.

Wie setzt die dilb GmbH die Digi­ta­li­sie­rung im Bau­hand­werk für sich um?

Die Vor­tei­le der Digi­ta­li­sie­rung lie­gen auf der Hand: Von der Bau­stel­le kann zügig mit dem Fir­men­sitz kom­mu­ni­ziert wer­den, der meist vie­le 100 Kilo­me­ter vom Arbeits­ort der Hand­wer­ker ent­fernt ist. Die dilb GmbH hat dafür eine digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form ent­wi­ckelt. Eine Smart­phone-App erlaubt eine Doku­men­ta­ti­on aller Pro­zes­se am Bau­kör­per und über­führt die Infor­ma­ti­on lücken­los in eine Daten­bank. Es han­delt sich dabei um den Typ eines Pro­zess-BIM (Buil­ding Infor­ma­ti­on Modeling/Bauwerksdatenmodellierung), das sich durch die Fokus­sie­rung auf die Arbeit der Hand­wer­ker auf der Bau­stel­le wesent­lich von den her­kömm­li­chen Pla­nungs-BIMs unter­schei­det. Die dabei ent­wi­ckel­ten, erprob­ten und ein­ge­setz­ten Metho­den der Ereig­nis­kom­mu­ni­ka­ti­on von der Bau­stel­le ins Büro und zurück öff­nen einen neu­en Zugang zur recht­zei­ti­gen Erken­nung und Besei­ti­gung von Risi­ken wäh­rend der Auf­trags­rea­li­sie­rung.

Wie fügt sich die Digi­ta­li­sie­rung in den Arbeits­all­tag ein?

Durch regel­mä­ßi­ge Auf­nah­men von Foto- und Sprach-/Text­in­for­ma­tio­nen durch den Vor­ar­bei­ter kann sich das Büro wesent­lich bes­ser vor­stel­len, was für eine Abwei­chung vom ver­trag­li­chen Soll zu behan­deln ist (sie­he Abbil­dun­gen). Mit einer Rei­he von digi­ta­len Tools kann die/der Sachbearbeiter*in im Büro die Bau­stel­len­in­for­ma­ti­on mit Vertrags‑, Bau­kör­per- und Orga­ni­sa­ti­ons­da­ten ver­net­zen, was zu einer Vali­die­rung und Qua­li­fi­zie­rung führt, die anhand von Berich­ten und Doku­men­ten beleg­si­cher an den Auf­trag­ge­ber ver­sen­det wer­den kann – z.B. in Form einer ange­pass­ten Rech­nung.

 

Abb. 1: Funk­ti­ons­wei­se der Smart­phone-App

Abb. 2: Auf­bau der App

Was haben Unter­neh­men und Beschäf­tig­te von einer Digi­ta­li­sie­rung der Bau­stel­len-Arbeit?

Pro­ble­me auf der Bau­stel­le kön­nen so inter­ak­tiv und in Echt­zeit bear­bei­tet wer­den. Dadurch kann schnell ein Lösungs­weg gefun­den wer­den, der wei­te­re Feh­ler und damit Mehr­ar­beit sowie finan­zi­el­le Ver­lus­te ver­mei­det. Die digi­ta­len Hilfs­mit­tel der dilb GmbH erhö­hen außer­dem die Sicht­bar­keit der Akti­vi­tä­ten auf der Bau­stel­le und erleich­tern die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Büro. Das führt zu einer gestei­ger­ten Wert­schät­zung der Mitarbeiter*innen, die idea­ler­wei­se in einer ver­bes­ser­ten Pro­duk­ti­vi­tät mün­det. Auf die­sen Erkennt­nis­sen basie­rend möch­te die dilb GmbH wei­te­re digi­ta­le Ent­wick­lun­gen ansto­ßen. Das ZeTT unter­stützt sie dabei.

Von der Bera­tung zur Schu­lung der Mit­ar­bei­ter – Beglei­tung durch das ZeTT

Das ZeTT und die dilb GmbH arbei­ten seit Novem­ber 2020 inten­siv zusam­men, um das digi­ta­le Bau­pro­zess-Manage­ment zu ver­bes­sern. Ent­schei­dend für alle Pro­jekt­be­tei­lig­ten ist, dass für die Beschäf­tig­ten die digi­ta­len Lösun­gen nach­voll­zieh­bar und arbeits­er­leich­ternd sind. Mit Hil­fe der Erfah­run­gen der ZeTT-Mitarbeiter*innen von Arbeit und Leben Thü­rin­gen und der FSU Jena wer­den Hin­wei­se für eine kon­ti­nu­ier­li­che, mit­ar­bei­ter­ori­en­tier­te Ver­bes­se­rung gege­ben. Gemein­sam wird der Erfah­rungs­aus­tausch in der Bran­che und ein Trans­fer die­ser digi­ta­len Pro­zess­lö­sung vor­be­rei­tet.

Das ZeTT begann mit einer ver­tief­ten Bera­tung und erar­bei­tet nun mit den Mitarbeiter*innen der dilb ein Lehr-Lern­kon­zept zu digi­ta­len Hilfs­mit­teln auf dem Smart­phone für die Bau­stel­le. Das ZeTT beglei­tet außer­dem die Erpro­bung bzw. Ein­füh­rung des von der dilb ent­wi­ckel­ten Tools in ande­ren KMU. Mit der dilb GmbH besteht dar­über hin­aus eine ver­tief­te Zusam­men­ar­beit mit Blick auf KI-Mög­lich­kei­ten zur kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rung der App. KI – also künst­li­che Intel­li­genz – ermög­licht u.a. eine leich­te­re Wei­ter­ver­ar­bei­tung von Text‑, Sprach- und Bild­in­for­ma­tio­nen.

Auf die­se Wei­se holen sich künf­tig bei der dilb GmbH die Vor­ar­bei­ter auf der Bau­stel­le mit ziel­ge­rich­te­ten Sprach­be­feh­len selbst­stän­dig Infor­ma­tio­nen von der Auf­trags­cloud, mit denen sie die Auf­trags­zie­le sehr effi­zi­ent, weil zeit­spa­rend und pro­fes­sio­nell, umset­zen. Für den Vor­ar­bei­ter auf der Bau­stel­le bedeu­tet das nicht nur, dass er öfters mal die „Kel­le weg­legt“, son­dern auch, dass sei­ne Funk­ti­on in der Fir­ma eine zusätz­li­che Auf­wer­tung erfährt. Die Auf­trags­cloud stellt dem Vor­ar­bei­ter auf Anfra­ge das benö­tig­te Auf­trags­wis­sen ele­gant auf der Bau­stel­le zur Ver­fü­gung. Das Bei­spiel der dilb GmbH zeigt, dass gera­de im spe­zi­el­len Seg­ment der Bau- und Aus­bau­ge­wer­ke der digi­ta­le Wan­del ein wert­vol­les moder­nes Werk­zeug dar­stellt, wenn der Fokus des Infor­ma­ti­ons­flus­ses direkt mit den Arbeits­pro­zes­sen der Beschäf­tig­ten ver­bun­den wird.

Bei Inter­es­se an den Akti­vi­tä­ten der dilb GmbH oder der Zusam­men­ar­beit mit dem ZeTT, mel­den Sie sich gern bei johanna.sittel@uni-jena.de (Johan­na Sit­tel, ZeTT) oder jfm@dilb.de (Hr. Mitt­mann, dilb GmbH).